Selbstverständnis

Einleitende Worte – Von Kätche und der Projektgruppe

Wir, die Projektgruppe, haben unser Linkes Zentrum nach der kommunistischen Widerstandskämpferin Eva Katharina Brunner (pfälzisch: Kätche) benannt. Sie wurde am 28. Februar 1897 in Lambrecht geboren und starb am 22. Mai 1989 in Edenkoben. Kätche und ihr Ehemann Ludwig waren in der KPD aktiv und beteiligten sich beispielsweise durch den Druck und die Verteilung einer illegalen politischen Zeitung am Widerstand gegen den deutschen Faschismus. Als die Gefahren für ihre Widerstandsgruppe zu groß wurden, stellten sie ihre Aktivitäten ein, blieben jedoch weiter untereinander in Kontakt. Nach dem Krieg nahmen sie ihre politische Arbeit wieder auf, wegen der sie unter anderem von Entlassungen betroffen waren. 

In der Tradition ihres Kampfes sehen wir unser Linkes Zentrum.

Das Linke Zentrum Kätche Brunner setzt es sich zum Ziel, als politischer Raum einen Beitrag zum Aufbau einer solidarischen Gesellschaft zu leisten. Das Zentrum soll Raum für Kollektivität, Diskussion, Zusammenkommen, Bildung und Veranstaltungen bieten. Wir möchten linke Politik praktisch umsetzen und einen Ort des solidarischen Miteinanders schaffen, wo sich alle frei von Diskriminierung einbringen und aufhalten können. Das bedeutet für uns, dass wir möglichst barrierefrei bauen, unseren Laden kinderfreundlich gestalten und sich Jung wie Alt bei uns wohlfühlen! Als politischer Ort möchten wir Diskussionen führen und uns weiterentwickeln.

Die Welt, wie sie ist, ist nicht in Ordnung – Wofür wir stehen und kämpfen (aufklappen)

Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, Seite an Seite mit allen zu kämpfen, die die Welt, wie sie ist, nicht in Ordnung finden. Wir möchten uns mit allen zusammenschließen, die nicht darauf warten werden, dass eine Verbesserung der Verhältnisse vom Himmel fällt. Denn fortschrittliche Bewegungen haben in der Vergangenheit abseits von Parlamenten wesentliche Veränderungen erkämpft. In dieser Tradition sehen wir auch unsere Arbeit.

Mit dem Linken Zentrum Kätche Brunner wollen wir einen Beitrag dazu leisten, all die Missstände auf dieser Welt nicht einfach so hinzunehmen. Wir packen die Probleme an der Wurzel – als Linkes Zentrum stehen wir für eine antikapitalistische Grundhaltung, die wir in unserer politischen Arbeit leben. 

Wir betrachten daher die nachfolgenden Punkte als unsere politischen Grundlagen:

Internationalismus und Haltung gegen den Krieg
Kriege zum Gewinn von Ressourcen und Einfluss trägt der Kapitalismus in sich, wie die Wolke den Regen. Massive Aufrüstungskampagnen, Waffenlieferungen in alle Welt und Kriegshetze spielen dabei die Begleitmusik und auch dort, wo Deutschland sich nicht offen an Militäreinsätzen beteiligt, mischt es meistens unterstützend beim Geschäft mit dem Tod mit. „Der Westen“, der sich hier besonders gerne als moralische Instanz und demokratischer Vorreiter aufspielt, kann für eine internationalistische Linke ebenso wenig Bezugspunkt sein, wie andere kapitalistische Staaten (bspw. Russland), die vor diesem Hintergrund Krieg um Einflusssphären führen.

So ist es für uns selbstverständlich Solidarität mit denen einzufordern, die sich dem imperialistischen Wahn ausgesetzt sehen und Vertreibung und Besatzung wie bspw. in Kurdistan (im Speziellen: Rojava) und Palästina Widerstand entgegen setzen. Zu letzterem Beispiel sei noch gesagt, dass wir uns bewusst von den Teilen der deutschen Linken abgrenzen möchten, die Besatzung und zehntausendfache Ermordung durch den israelischen Staat mit dem „Kampf gegen Antisemitismus“ versuchen zu rechtfertigen.

Antirassismus und der Kampf gegen Antisemitismus
Wir unterstützen antirassistische Initiativen und solidarisieren uns mit Betroffenen von rassistischer und antisemitischer Sündenbockpolitik. Denn Krisen finden ihren Ausdruck aktuell in rassistischer, wie antisemitischer Hetze und Zuspruch für rechte Parteien. Rechte Akteur:innen betreiben dabei eine Sündenbockpolitik, die die Ursachen von Krisen bei denen verortet, die sie nicht zu verantworten haben, also bei denjenigen, die es in unserer Gesellschaft sowieso schon am schwersten haben. Menschen werden dazu angestachelt, die Problemursachen bei ihrem Arbeitskollegen oder ihrer Nachbarin zu suchen – sprich: nach unten und zur Seite zu treten statt diejenigen zu kritisieren, die wirklich für die Probleme verantwortlich sind.

Ähnlich verhält es sich bei antisemitischen Narrativen, in denen davon gesprochen wird, dass „einige wenige Akteur:innen“ die Welt beherrschen würden und verantwortlich seien für Verschwörungserzählungen wie „globalistischen Unterwanderungen“ oder „Bevölkerungsaustausch“. Dabei steht aber nicht die Abschaffung des Kapitalismus im Raum, sondern die Fortführung antisemitischer Erzählungen.  

Antifaschismus 
Rechtsruck und Faschismus gehören zu den schärfsten Bedrohungen unserer Gesellschaft. Wir positionieren uns gegen Ansätze, die den antifaschistischen Kampf auf den Gang zur Wahlurne reduzieren.​​​​​​​ Wenn es darum geht, den Rechtsruck an der Wurzel zu packen, dann erachten wir ein „Wählt demokratisch“ als nicht zielführend. Diese Aufforderung verschleiert, dass sich Parteien durch menschenfeindliche Gesetze am Rechtsruck beteiligen, ihn vorantreiben und sich zeitgleich als Verbündete im Kampf gegen rechts verkaufen. Wir positionieren uns also nicht nur gegen rechte Parteien sondern vor allem gegen rechte Politik. 

Feminismus
50% unserer Klasse werden nicht nur durch den Kapitalismus und seine Verwalter:innen unterdrückt, sondern zusätzlich durch Männer. Frauen werden in unserer Gesellschaft in die Rolle der Pflegerin, Mutter, Köchin, Haushälterin und Sexobjekt gedrängt. Gerade letzteres findet seinen Ausdruck am deutlichsten in der Prostitution und Pornographie, wo mit der Umbenennung in „Sexwork“ eine Selbstbestimmung suggeriert wird, die einer realen Grundlage entbehrt. Denn es ist immer noch der Körper einer Frau, den sich ein Freier kauft, um über ihn zu bestimmen. Frauen waren früher sprichwörtlich an das Haus gefesselt, während sie heute neben der Lohnarbeit mehrheitlich auch die Hausarbeit übernehmen. Für diese erhalten sie keinen Lohn, in den meisten Fällen auch keine Unterstützung. Im Gegenteil: Auf Grundlage der Rolle der Frau im Kapitalismus hat sich ein weit verzweigtes, ideologisches Gerüst gebildet, das diese offensichtliche Ungerechtigkeit legitimiert. Frauen werden als das schwächere, unfähigere, emotional instabilere Geschlecht dargestellt, sie werden objektifiziert und auf ihr Dasein als Mutter und Sexpartnerin reduziert. Aufgrund dieser Umstände sehen wir den Frauenkampf als Teil und Besonderheit im Klassenkampf an. Wir befürworten eine feministische Politik, die Frauenunterdrückung als Ausdruck des Kapitalismus versteht und auf dieser Ebene bekämpfen will. Dabei lassen wir die ideologische Unterdrückung nicht außer Acht.

Gegen Queer- und Transfeindlichkeit
Wir treten ein für sexuelle Selbstbestimmung, ein offenes Ausleben von Geschlechtsidentität und sexueller Präferenz. Reaktionäre Kräfte stehen diesen Grundsätzen widersprüchlich gegenüber, indem sie Selbstbestimmung als eine Modeerscheinung bis hin zu Verirrung darstellen. Unsere Solidarität gilt dabei denjenigen, die zur Zielscheibe dieses rechten Kulturkampfes geworden sind, der längst nicht mehr nur durch Gesetzestexte geführt wird, sondern auch durch direkte Gewalt auf der Straße. Das Linke Zentrum Kätche Brunner soll ein Freiraum für queere und trans* Personen sein.

Klimakampf 
Die Klimakrise ist keine abstrakte Gefahr (mehr), sie ist Realität und Resultat von Ausbeutung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Während sich die Auswirkungen zurzeit vor allem in den gefährdetsten Gebieten zeigen, werden sie sich bei ausbleibenden Gegenmaßnahmen in den nächsten Jahren überall bemerkbar machen. Extremwetterereignisse sind dann keine Ausnahme mehr, sondern befeuern bereits bestehende Konflikte und verschärfen Hunger, Flucht und Krieg. Wir wollen Ursachen statt Symptome bekämpfen. ​​​​​​​Wenn es beim Schutz der Umwelt allein darum geht, dass wir durch unseren individuellen Konsum oder unser Mobilitätsverhalten die Klimakrise abwenden können, dann erachten wir diesen Weg als falsch. Die reichsten 1% der Gesellschaft produzieren um ein Vielfaches mehr COals die, die durch eine rein konsumkritische Klimapolitik zur Verantwortung gezogen werden.

Solidarität und Kollektivität erlebbar machen – So sehen wir das soziale Miteinander (aufklappen)

Im Zentrum – linke Positionen von der Ersatzbank holen

Das Linke Zentrum ist ein Ort der Kollektivität. Ein solidarischer und konstruktiver Umgang miteinander, bei dem Egoismus und Konkurrenzdenken keinen Platz haben, steht an vorderster Stelle. Das Kätche soll ein Raum für Jung und Alt sein, in dem niemand aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder Hautfarbe ausgeschlossen wird. Die Nutzung der Angebote im Zentrum basiert weder auf kommerziellen Interessen, noch besteht ein Konsumzwang. 

Wir wollen uns auch nicht einkapseln, indem wir ein Zentrum für die „etablierte“ linke Szene Landaus darstellen. Vielmehr stehen unsere Türen allen offen, die sich für linke Politik und Kultur interessieren.

Die Projektgruppe

Als Projektgruppe sehen wir uns in der politischen, sowie organisatorischen Verantwortung für das Zentrum und wollen daher die Raumnutzung koordinieren. Das Projekt wird aber von den Menschen mit Leben gefüllt, die sich einbringen, mitgestalten und das Projekt weiterentwickeln möchten.

Eine Einladung an alle, die mit uns kämpfen wollen 

Euer Offenes Treffen, eure Gruppe oder Initiative findet unser Linkes Zentrum gut und stimmt diesem Selbstverständnis zu? Ihr teilt unsere Haltung und möchtet ein neues Projekt ins Leben rufen oder eine Veranstaltung organisieren? Ihr seid bereit, die Räume nicht nur zu nutzen, sondern auch zu seinem politischen Profil, seiner Weiterentwicklung und seiner Instandhaltung beizutragen? Wunderbar! Meldet euch gerne per E-Mail bei der Projektgruppe und wir überlegen gemeinsam, wie wir einen Platz für euch im Kätche schaffen.

Mit Zuversicht und Mut etwas zu verändern – Die Projektgruppe Linkes Zentrum Kätche Brunner im März 2025

Das Selbstverständnis als PDF zum Download